Die Journalistische Anamnese ist konzipiert als ein erster Baustein zum Auftakt einer einjährigen EX-IN-Genesungsbegleitung bei einem Ansatz von insgesamt fünf Genesungsetappen à zehn Stunden.

 

Ziele der Journalistischen Anamnese im Rahmen einer EX-IN-Genesungsbegleitung:

1. Dem Protagonisten des eigenen Lebens eine Stimme verleihen

Die Journalistische Anamnese dient dazu, den Klienten darin zu unterstützen wieder zum Protagonisten seines eigenen Lebens zu werden. Es geht darum, ihm zu vermitteln, dass jede Lebensgeschichte einmalig, wertvoll und erzählenswert ist. Als professionelles Interview aufbereitet, soll der Klient als interessierter Leser gewonnen und überzeugt werden. Der Interviewer sammelt, strukturiert und bringt die Informationen dazu in eine neue und ansprechende Form. Drei Fragen dienen dabei als thematische Vorgabe: Was war vor der Krise? Was war während der Krise? Was ist nach der Krise?

Der Interviewer arbeitet explizit nicht aufdeckend. Die Gesprächsführung ist vollkommen frei. Der Interviewer erkundigt sich interessiert, spontan und unvoreingenommen nach dem Leben des Klienten, wobei es dem Klienten jederzeit offen steht, gestellte Fragen nicht zu beantworten. Der Klient ist es also, der selbst die Erzählschwerpunkte festlegt. Im Fokus der Gespräche stehen „Wendepunkte“ im Leben, die der Interviewer dann rekapituliert, um sich ein Bild von seinem Gegenüber zu machen. Das können komplexe Situationen sein, besondere Begegnungen, kleine Anekdoten, prägnante Erinnerungen oder auch scheinbar Alltägliches oder Banales.

2. Eine solide Vertrauensbasis schaffen

Im Rahmen der Journalistischen Anamnese muss nicht der Klient, sondern der Interviewer Überzeugungsarbeit leisten, denn nach der Abfassung jedes einzelnen Interviews legt der Journalist seine Arbeit dem Klienten vor. Kann sich dieser mit dem von ihm gezeichneten Bild identifizieren? Fühlt er sich gut getroffen? Wo gibt es unter Umständen Missverständnisse, die korrigiert werden müssen? Jedes Interview wird vom Klienten selbst redigiert. Das abgenomme Endprodukt wird vom Klienten mit einer formalen Unterschrift offiziell autorisiert und freigegeben (natürlich nicht zur Veröffentlichung, sondern als ein Akt zur Aushändigung des Schriftstücks an den Klienten). Dies ist deshalb wichtig, um deutlich zu machen: Der Klient ist und bleibt auf dieser Genesungsetappe Herr des Verfahrens. Nachdem er dem Journalisten im ersten Schritt einen Vertrauensvorschuss gegeben hat, muss sich im zweiten Schritt der Schreiberling beweisen. Nach dem gemeinsamen Bearbeiten des journalistischen Produkts im dritten Schritt geht mit der Unterschrift des Klienten die Eigenverantwortung an seiner Lebensgeschichte zuletzt dann wieder an ihn zurück.

3. Die Position des Klienten auf seinem Genesungsweg stärken

Mit der Journalistischen Anamnese als dreiteiliges Interview hat der Klient ein Produkt, mit dem er sich in seine Behandlungsgeschichte konstruktiv einbringen kann. Natürlich steht es ihm frei, ob er es seinen Therapeuten, Freunden, Angehörigen oder Ärzten zu lesen gibt oder ob er diese Spurensuche als ein Mittel zur Selbstreflexion nutzt. Dies ist jedenfalls seine, von ihm selbst erarbeitete, Geschichte. Der Vorteil an der journalistischen Betrachtungsweise ist darüber hinaus: Nicht die Krankengeschichte mit Diagnosen und Fachtermini steht im Fokus, sondern die spannende und bewegende Lebensgeschichte eines außergewöhnlichen Menschen.

 

Staffelung der Stunden

1 Stunde  Vorgespräch und Kennenlernen
3 Stunden Gesprächsführung von drei Interviews
3 Stunden Journalistische Ausarbeitung von drei Interviews
3 Stunden Gemeinsame Diskussion und Bearbeitung von drei Interviews